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Cover: Nachtsicht

Nachtsicht

von A. M. Blackwood

🌶️🌶️🌶️🌶️🌶️Burning - Sehr Explizit
Dark RomanceobsessionForbidden LoveSlow Burn

Dark Romance · München, Schwabing

Er beobachtet sie seit Monaten. Nicht aus Bösartigkeit – aus Obsession. Als Nora die Fotos findet, die ein Fremder von ihr gemacht hat, sollte sie die Polizei rufen. Stattdessen klopft sie an seine Tür.

Enthält explizite Liebesszenen · Ab 18

Leseprobe

# Unsichtbar

## NORA

Manchmal wünsche ich mir, jemand würde mich sehen.

Nicht ansehen — das tun Menschen ständig. Der Barista im Café Luitpold sieht mich an, wenn er meinen Hafer-Latte über die Theke schiebt. Mein Vermieter sieht mich an, wenn er mir im Treppenhaus begegnet und fragt, ob die Heizung funktioniert. Meine Mutter sieht mich an, über FaceTime, jeden Sonntagabend, und fragt, ob ich genug esse.

Aber sehen? Wirklich sehen?

Das ist etwas anderes. Das ist der Unterschied zwischen einem Blick, der über eine Oberfläche gleitet, und einem, der stehen bleibt. Der fragt. Der sich weigert, weiterzugehen, bis er verstanden hat, was er sieht.

Niemand sieht mich so.

Ich heiße Nora Fischer, ich bin sechsundzwanzig Jahre alt, und ich bin unsichtbar.


München im Oktober. Die Bäume in Schwabing tragen Gold und Rost, und die Luft riecht nach nassem Laub und den gerösteten Maronen vom Stand an der Leopoldstraße. Ich laufe die drei Blocks vom Supermarkt zu meiner Wohnung, eine Papiertüte mit Nudeln, Pesto und einer Flasche Weißwein im Arm, und niemand dreht sich nach mir um.

Das ist in Ordnung. Meistens.

Früher hat mich das gestört. Mit zwanzig. Mit zweiundzwanzig. Damals bin ich jeden Morgen vor den Spiegel getreten und habe versucht, die Frau zu sehen, die andere sehen sollen. Lippenstift. Mascara. Ein Hauch von Rouge. Ein Outfit, das aussagte: Ich bin hier. Schaut hin. Aber irgendwann habe ich aufgehört. Nicht aus Resignation. Aus Erkenntnis. Menschen schauen nicht hin, egal was man trägt. Menschen haben genug mit sich selbst zu tun.

Meine Wohnung liegt im zweiten Stock eines Altbaus in der Herzogstraße. Hohe Decken, knarrende Dielen, ein Erkerfenster, das nach Süden zeigt und nachmittags so viel Licht hereinlässt, dass ich manchmal vergesse, eine Lampe einzuschalten. Ich arbeite dort — mein Zeichentisch steht am Fenster, umgeben von Stiften, Pinseln, halbfertigen Illustrationen für ein Kinderbuch, das nächsten Monat erscheint. Tiere im Wald. Füchse, Eulen, ein Dachs mit einer roten Mütze.

Die Füchse sind meine Lieblinge. Das Rot ihres Fells, die Art, wie ich ihre Augen zeichne — ein Punkt zu viel, ein Strich zu viele, und sie sehen gemein aus statt schlau. Es ist eine Millimeterarbeit, Tiere gleichzeitig niedlich und klug zu machen. Die meisten Illustratoren schaffen nur das eine. Ich habe mir eingeredet, dass ich beides schaffe, und manche Tage glaube ich es.

Luna sitzt auf dem Fensterbrett und beobachtet die Straße. Luna ist meine Katze — grau, eigensinnig, mit Augen wie flüssiges Kupfer. Sie ist die Einzige in dieser Wohnung, die Gesellschaft leistet, ohne etwas dafür zu verlangen. Abgesehen von Futter. Und dem Fensterplatz. Und dem Recht, mich um fünf Uhr morgens zu wecken, indem sie auf meinem Gesicht sitzt.

Ich stelle die Einkäufe in die Küche, öffne den Wein, gieße mir ein Glas ein. Dann setze ich mich an den Zeichentisch und arbeite, bis das Licht kippt und die Schatten länger werden. Der Fuchs, an dem ich seit drei Tagen zeichne, hat einen Ausdruck in den Augen, den ich noch nicht eingefangen habe. Etwas zwischen Neugier und Vorsicht. Zwischen Komm näher und Trau mir nicht. Ich zeichne ihn immer wieder. Werfe das Blatt weg. Zeichne ihn erneut.

Es ist der Blick, den ich selbst nie schaffe.

Um halb sieben ruft meine Mutter an.

„Nora, mein Schatz." Ihre Stimme hat diesen Ton, den ich kenne. Den besorgten. Den Sonntagabend-Ton, nur an einem Dienstag. „Wie war deine Woche?"

„Gut."

„Nur gut?"

„Ja, Mama. Gut."

Stille. Ich weiß, was kommt, bevor sie es sagt. Ich höre es in ihrem Atem, in der Art, wie sie den Mund für eine Sekunde öffnet und wieder schließt.

„Ich habe gedacht, du könntest mal Tante Heike anrufen. Ihr Sohn, der Markus, ist wieder single. Er ist Anfang dreißig, arbeitet bei BMW, hat ein schönes Wesen, und —"

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